AGSO ASSOH ASTOS
arbeitsgemeinschaft für schweizerische orgeldenkmalpflege
 
association suisse pour la sauvegarde des orgues historiques
 
associazione svizzera per la tutela degli organi storici
 
cuminonza svizzera per il mantegniment ded orglas historicas


 
Was ist die AGSO?
Die Arbeitsgemeinschaft für schweizerische Orgeldenkmalpflege (AGSO) ist ein politisch und konfessionell neutraler Verein und existiert seit 1958. Ziel der AGSO ist die Erhaltung wertvoller historischer Pfeifenorgeln in der Schweiz, die vor Abbruch, Verunstaltung oder vom Zerfall bedroht sind. Im Einvernehmen mit der amtlichen Denkmalpflege erstrebt sie ihre Restaurierung und wirbt für den musikalisch-künstlerischen Wert dieser Instrumente. Die AGSO erarbeitet Dokumentationen über schützenswerte Orgeln und setzt sich dafür ein, dass Restaurierungen oder Umbauten von Denkmalorgeln nach den Grundsätzen heutiger Denkmalpflege ausgeführt werden. Sie bemüht sich ausserdem um den sinnvollen Einbau neuer handwerklich und künstlerisch qualifizierter Instrumente in historische Räume.
 
Im Jahre 1966 hat die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) die Funktion eines Konsulenten für Orgelfragen geschaffen, der bis heute immer aus den Reihen der AGSO gestellt wurde. Damit ist eine enge Zusammenarbeit der beiden Stellen gewährleistet. Seit 1988 wird dieses Amt durch den früheren AGSO-Präsidenten Rudolf Bruhin (Basel) bekleidet.
 
Die AGSO ist ein privatrechtlicher Verein und hat lediglich Beraterfunktion, also keine behördliche Befugnis. Bei Restaurationen historisch wertvoller Orgeln und beim Einbau neuer Orgeln in historischen Räumen wird daher immer auch die kantonale Denkmalpflege zugezogen. Selbst wenn keine Subvention beansprucht wird, muss noch vor Beginn der Arbeiten bei geplanten Veränderungen an Orgeln in kirchlichen Räumen von nationaler Bedeutung das Bundesamt für Kultur und die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) informiert werden. Zu erwähnen ist, dass eine Orgel von der behördlichen Denkmalpflege jeweils nur zusammen mit der Kirche, bzw. der Innenausstattung unter Denkmalschutz gestellt wird.
 
Heutige Konzepte der Orgel-Denkmalpflege
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts schätzte man an der Orgel vonseiten der Denkmalpflege fast nur ihre optischen Qualitäten. Demzufolge stand die Erhaltung der äusseren Form im Vordergrund. Heute wird eine Orgel als Gesamtkunstwerk betrachtet. Nicht nur der sichtbare Teil (Prospekt und Gehäuse), sondern auch die technische Anlage und das klangliche Konzept werden in die Beurteilung der Denkmalwürdigkeit einbezogen. Während früher eine Orgel sicher 100 Jahre alt sein musste, um als denkmal- und schutzwürdig eingestuft zu werden, beginnt man auch Instrumente aus den 1930er, 1940er oder gar 1950er Jahren zu schützen.

 
Die Orgel gilt heute als ein "funktionales" Denkmal. Sie wird von der Denkmalpflege nicht mehr statisch, sondern auch von ihrer Funktion her beurteilt im Sinne eines Gesamtkunstwerkes: als Ausstattungsobjekt eines Raumes, als Musikinstrument und als kunsthandwerklich-technisches Zeugnis einer bestimmten Zeit. Die Orgel soll ein "lebendiges", in den Alltag eingebundenes Denkmal sein - ein wichtiger Gesichtspunkt, der bei einer Restaurierung berücksichtigt werden muss.
 
Aufgabe heutiger Orgel-Denkmalpflege ist es, wertvolle Pfeifenorgeln aller Stile, Epochen, Grössen und Systeme möglichst integral zu erhalten. Dabei kann je nach Situation auf den Urzustand zurückgegriffen oder aber ein gewachsener Zustand belassen werden. Gelegentlich bleibt ein Instrument auch dadurch der Nachwelt erhalten, dass es durch Zubauten der heutigen Zeit ergänzt wird.
 
Orgel-Denkmalpflege im Wandel der Zeit
Schon in früheren Jahrhunderten sind Orgelbauer mit den Instrumenten ihrer Vorgänger oft schonungsvoll umgegangen, damals wesentlich auch aus Gründen der Materialersparnis. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Verständnis für historische Orgeln zunehmend gewachsen. Anfänglich dienten die alten Instrumente in erster Linie als Vorbilder für eine neue Aesthetik. Um 1910 propagierte die elsässische Orgelreform mit Albert Schweitzer und Emile Rupp das Ideal der Orgel Cavailllé Colls (Wiener Regulativ für Orgelbau 1909).
 
Später forderten die Orgeltagungen in Freiburg/Breisgau 1926 und Freiberg/Sachsen 1927 eine Rückbesinnung auf die Barockorgel. Es begann die Zeit der Rekonstruktionen. Die Dispositionen solcher Orgeln umfassten aber praktisch nur die Namen (nicht den Klang) der Register. Als erster berühmter Versuch, eine "stilreine" Orgel zu schaffen, gilt der Bau der Praetorius-Orgel in der Universität Freiburg/Br. von 1921 durch W. Gurlitt, wofür der Orgelbauer Oscar Walcker den Dr. h.c. erhielt. Diese Orgel war mit einer pneumatischen Traktur versehen - bezeichnend dafür, wie wenig damals noch der Sinn für das "Innere" der Orgel entwickelt war.
 
Parallel zu diesem Verständnis für historische Orgeln und ihre Rekonstruktionen verlief auch die denkmalpflegerische Betrachtungsweise bei der Restauration solcher Instrumente. Selbst grosse und bekannte historische Orgeln wurden vor dem zweiten Weltkrieg noch recht unbekümmert modernisiert mit neuen Pfeifen, neuen Windladen und neuer, meist pneumatischer Traktur. Etwas vorsichtiger ging man mit dem Prospekt um. Nach und nach wuchs im Lauf des vergangenen Jahrhunderts das Verständnis auch für die übrigen Elemente im historischen Orgelbau - Erkenntnisse, die schliesslich auch Eingang in die Praxis des historisierenden Orgelbaus fanden:

 
ca. 1920
Wiederentdeckung der alten Register
ca. 1930
Wiederentdeckung der Tonkanzellenlade und später der mechanischen Spieltraktur. Erstmals nach der Orgelbewegung wurde 1938 in der Schweiz wieder eine eine mechanische Spieltraktur durch Orgelbau Kuhn in der Eglise protestante (Temple) in Fribourg realisiert.
ca. 1940
Zunehmende Erkenntnis, dass Orgeln mitsamt ihren Werkteilen mit Respekt vor dem überlieferten, qualitätvollen Bestand und den zur Bauzeit herrschenden Grundsätzen zu restaurieren seien.
ca. 1950
Wiederentdeckung der Anblasgeräusche und wieder zunehmendes Interesse für das Orgelgehäuse und das Werkprinzip
ca. 1960
Wiederanwendung der freiatmenden Windversorgung
ca. 1970
Wiederentdeckung der historischen Stimmungen

 
Etwa gleichzeitig mit dem zunehmend verfeinerten Sinn für Orgeln der Renaissance und des Barocks entwickelte sich auch das Interesse an den Orgeln der Hochromantik, der Jahrhundertwende und neuestens sogar an Orgeln bis zu den 1950er Jahren. Eine tolerantere Haltung gegenüber den kleineren und grösseren Instrumenten verschiedener Epochen und ihrer Musik hat zu einem Denkmalverständnis geführt, das heute sehr im Fluss ist und stets neu überdacht werden muss.
   
 
 
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