|
Die Arbeiten an einer Orgel sind von einer Vielfalt, wie sie
heute im Rahmen eines einzelnen Betriebes nur noch selten anzutreffen ist.
Am besten lassen wir einen Orgelbauer und einen Zinnpfeifenmacher zu Worte
kommen. Die können auf einiges hinweisen, was es alles braucht, bis eine
Orgel ferig gestellt und bereit ist, ihre Zuhörer mit herrlichen Melodien
zu entzücken.
|

Mit wenigen Ausnahmen ist
jede Orgel ein Einzelstück.
Grösse, Anzahl Pfeifen, innerer Aufbau, Klanggestaltung, alles das richtet
sich nach der Grösse und Form des Raumes, nach dessen akustischen
Eigenheiten, nach den musikalischen Bedürfnissen, den liturgischen
Funktionen und nach den finanziellen Möglichkeiten der Auftraggeber.
Eine sorgfältige Planung und Budgetierung geht dem Bauen der Orgel voraus.
Diese Arbeit erfordert umfassende theoretische und praktische Kenntnisse im
Orgelbau aber auch auf den eben berührten Gebieten der Architektur,
Kunstgeschichte, Akustik, Liturgie. In der architektonischen und musikalischen
Planung reichen Technik und Handwerk nicht aus. Künstlerische Begabung ist
notwendig. Hier verbindet sich das Orgelbauhandwerk mit dem Kunsthandwerk.
Das eigentliche Bauen der Orgel umfasst die Herstellung der einzelnen Teile wie
Spieltisch, Trakturen, Windladen, Holz- und Metallpfeifen, Gebläseanlage,
Gehäuse. Die Arbeit an jedem der Teile stellt besondere Anforderungen.
Vielfältiges Wissen und Erfahrungen sind von grossem Nutzen.
 Hauptsächlicher Werkstoff ist Holz, und zwar Massivholz. Die
Bearbeitung von Massivholz erfordert besondere Materialkenntnisse, denn es
«arbeitet" unter dem Einfluss der Schwankungen von Temperatur und
Luftfeuchtigkeit. Zum Bau der hölzernen Gehäuse muss der Orgelbauer
mit allen Techniken der Massivholz-Verarbeitung vertraut sein. Da die Masse
für jede Orgel und für jeden Raum verschieden sind, ist auch bei der
Pfeifenherstellung keine Serienarbeit möglich. Der Orgelbauer lernt sowohl
Holz- wie Metallpfeifen herstellen. Doch bezüglich Metallpfeiten lemt er
in der Regel nicht alle Einzelheiten. Diese Arbeit bleibt dem Zinnpfeifenmacher
vorbehalten.
Die Fertigung aller Einzelteile einer Orgel geschieht je nach Umfang der Arbeit
und Grösse des Betriebes in Einzel- oder Gruppenarbeit.
Der Zusammenbau der Orgel erfolgt zuerst als provisorische Vormontage in der
Werkstatt, um zu prüfen, ob alles passt. In der Regel wird das Instrument
dabei jedoch noch nicht spielferfig gemacht.
Für den Transport wird das Instrument nochmals zerlegt. Erst am
Bestimmungsort wird es definitiv montiert. Hier erfolgt auch die Intonation und
Stimmung der Orgel. Der Intonateur und Stimmer muss ein guter Orgelbauer sein,
denn er arbeitet als letzter an der Orgel und muss fähig sein, Mängel
im technischen Bereich zu erkennen und zu beheben. Immer wieder befasst sich
der Orgelbauer auch mit bestehenden Instrumenten, und zwar mit der Wartung,
Reinigung, Revision, Stimmung. Auch dies kann höchst anregend sein, denn
bisweilen vermag ein altes Instrument manch Interessantes aus vergangenen
Zeiten zu erzählen, wenn man nur gut zu beobachten und hineinzuhören
versteht. |
| |
|